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Grummeln als Grundhaltung

BadTemperJoePorträtWer sich im Internet nach einer Übersetzung für «Bad Temper» umsieht, findet schnell Bedeutungen wie «miese Laune» oder «schlechte Stimmung». Tatsächlich ist es aber viel schlimmer: Eine miese Laune im Sinne von «Bad Mood» vergeht wieder, aber «bad temper» vergeht eben nicht – das ist Teil der Persönlichkeit, des «Temper»aments. Also sozusagen «schlechte Laune als Grundgefühl». Der Norddeutsche Musiker Bad Temper Joe hat sich genau diese Haltung auf die Fahne geschrieben. Doch trotz des vielleicht abschreckenden Künstlernamens zeigt sich der aus Bielefeld stammente Gitarrist und Songwriter als Mann der zarten Zwischentöne und als Anhänger des differenzierten Klanges. Seine wohl eher melancholische als schlecht gelaunte Seite zeigt sich in seinen Songtexten und in der oftmals düsteren Instrumentierung. Hier ein kurzes Porträt des vielseitigen Musikers, der eine Weissenborn Slide-Gitarre ebenso kunstvoll spielt wie die elektrische.

Wenn man sich Bad Temper Joe nennt, ist es natürlich entscheidend, dass man nicht allzu viele Bilder im Netz finden kann, auf denen man lauthals lacht oder auch nur freundlich lächelt – und in der Tat ergibt die Bildsuche nach Bad Temper Joe eine reiche Ernte von Bildern eines ernsten Mannes , meist mit Hut und Gitarre, und als dieser erzählt der Mann Geschichten aus dem Leben. Und dies nun schon auf mehr Alben als eine Hand zählen kann. Für dieses Porträt wurden die drei Veröffentlichungen Tough Ain’t Easy, The Maddest of them All und Haunt intensiver angehört, die eine grosse musikalische Bandbreite an feinen Zwischentönen offenbaren.

Die Musik bewegt sich zwischen Country-Erzählung im Stile Johnny Cashs und klassischem Country Blues (Heartache Shuffle #13 & #36) bis zu rockigeren Songs, wobei das Schwergewicht bei akustischen Arrangements liegt. Die Lieder sind allesamt Eigenkompositionen, selbst My Favorite Things oder Waiting in Vain mögen klingen wie die bekannteren Namensvettern, aber es sind Zeugnisse von Bad Temper Joes Kreativität.

Während The Maddest of them All mit Schlagzeug (Paul Moser) und Bass (Max Dettling) als Begleitung und Gastauftritten von Marcel Rahe (Mundharmonika) und David Lübke (Gitarre/Banjo) instrumentiert sind. Hier gibt es mit My Favorite Things lupenreinen Country, Haunt ist ein reines Gitarrenalbum – mit Gesang versteht sich. Haunt ist das Produkt einer Zusammenarbeit mit dem belgischen Kollegen Fernant Zeste, der das Album auch produzierte. Hier verlässt sich Joe in manchen Songs auf die hypnotische Wirkung des Ostinato, also des kontanten Wiederholens eines Licks wie es ja auch die Altmeister John Lee Hooker oder Bukka White praktizierten (Little Rain, Winterblues #5). Sonst überwiegen Harmonien, die Zuhörer nicht wohlig umfassen, sondern wilde und sperrige Harmonien, die wunderbar funktionieren. Selbst ein Titel mit dem fröhlichen Titel All is Fine Now klingt alles andere als «fine».

Von diesen Alben sind Tough Ain’t Easy und The Maddest of them All weniger mutig, sie bewegen sich im Feld der Amerikana als Singer-Songwriter. Das jüngste Album Haunt lotet die Grenzen des Konventionellen erfolgreich aus. Das ist ein sehr intensives Album, bei dem man kaum einohrig zuhören kann. Das Slide-Solo auf Fannie Mae ist einfach, aber äusserst effektiv. Wirklich eine gelungene Zusammenarbeit.

Was die textliche Seite angeht: Bad Temper Joe erweist sich als toller Geschichtenerzähler, etwa in Don’t Bury me in Mississippi, einem Titel, in welchem er die Gefühle eines Nordstaatensoldaten im Amerikanischen Bürgerkrieg nachempfindet. Minstrel's Lament ist ein schönes Beispiel dafür, wie ohne Rückgriffe auf die textlichen Klischeebausteine ein gleichwohl traditionelles Bild gemalt werden kann. Die Texte sind nicht akzentfrei dargebracht aber das hilft vielleicht sogar manchmal fürs Verständnis.

Eine der deutlichsten Eigenschaften der Musik Bad Temper Joes ist der Mut zur Sparsamkeit. Auf dem Album Tough Ain’t Easy von 2015 spielte er ganz solo, nur mit seinen Gitarren, teilweise fast verträumt (Beggar's Velvet Serenade) die anderen beiden Alben sind unterschiedliche Formen von Koproduktionen mit ihrem jeweils eigenen Charakter. Doch in welcher Form seine Musik auch daherkommt, sie scheint aus Bad Temper Joe einfach hervorzuquellen, seine Songs sind in der Tradition verwurzelt, aber sie spielen im Dienste der zu erzählenden Geschichte mit den klassischen musikalischen Formen. So ist selten ein 12-Takt-Blues zu hören, aber die Form des Gesangs und die Geschichten sind in ihrer Grundhaltung gleichermassen traurig, pessimistisch, mitunter verzeifelt – bad temper eben.

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