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Wie ein Damoklesschwert hingen zum Schluss drohende Gewitterzellen über der Stadt Bellinzona. Doch Petrus hatte ein Einsehen mit der Blues Community und öffnete die Schleusen erst buchstäblich mit dem letzten Ton der letzten Zugabe einer durchs Band weg überzeugenden Veranstaltung – dafür goss es dann aber richtig!

Der Nachfolge-Event des legendären Piazza Blues Festivals hat seine Feuertaufe – nach dem letztjährigen Re-Launch – nun mit Bravour bestanden. Hand in Hand mit der hervorragenden Organisation ging die brillante Arbeit der Soundcrew, welches den acht Acts ermöglichte, musikalisch aus dem Vollen zu schöpfen und damit dem zahlreich aufmarschierten Publikum bestes Ohrenfutter zu bieten. Zwei Tage lang stand die Piazza Governo im Zeichen hochklassiger internationaler Blues’n’Roots Music.

Für den Start sorgten zwei italienische Formationen, die verschiedener kaum sein konnten. Während Lovesick um Paolo Roberto Pianezza (voc, g, lap steel) und Francesca Alinovi (voc, upright-b) mit einem clever aufgesetzten, eigenständigen Approach von Western Swing, Rockabilly, Country, Folk und Rock’n’Roll glänzten, gab sich Stephanie «Ocean» Ghizzoni dem tiefen amerikanischen Süden hin und interpretierte Louisiana-Perlen von den Meters bis Dr. John. Auch durfte ein atmosphärisches «The House Of The Rising Sun» in ihrer Darbietung nicht fehlen.

Den Vorschusslorbeeren gerecht wurde Carolyn Wonderland. Ausdrucksstark an Stimme, Slidegitarre und Gitarre offenbarte die Alligator Records Artistin mit ihrem dynamischen Set die ganze Bandbreite des Texas Roadhouse Blues. Und es sollte noch mehr kommen: Den Energie-Level zu übernehmen und weiterzutragen – dies verstand mit den Cinelli Brothers eine der führenden europäischen Live-Truppen der Gegenwart. Rock, Soul und Blues vereinigten sich in der Musik von Marco und Alessandro Cinelli sowie ihren Mitstreitern Tom Julian-Jones und Jorma Gasperi zu einem organischen und mitreissenden Ganzen. Eindrücklich ihr mehrstimmiger Gesang, faszinierend ihr Beherrschen verschiedenster Instrumente. Als Sahnehäubchen baten die Cinellis die Lokalmatadoren Federico Albertoni und Mad Mantello von der Tessiner Band Freddie & The Cannonballs auf die Bühne, um das gemeinsam geschriebene und aufgenommene «Dancing Shoes» zu intonieren.

Mit lokalen Grössen startete auch der Samstag. Unter der Leitung des Bassisten Daniel Mancullo beeindruckte eine veritable Tessiner «Supergroup» namens Joe Dallas & The Monks. Mit vier Bläsern und zwei Chorsängerinnen zusätzlich zur Core-Band intonierte die Monks einen brillant arrangierten funky Soul-Sound, der sich an Vorbildern wie etwa der Average White Band oder Tower Of Power anlehnte. Erwähnenswert dabei die variable Stimme und die erfrischende Bühnenpräsenz von Sänger Greg Fontana.

Gleich zwei Ladies mit unter die Haut gehenden Stimmen gaben sich anschliessend die (Bühnen)-Klinke in die Hand. Kyla Brox und Justina Lee Brown wissen beide ihre Emotionen auf bestechende Art gesanglich auszuleben. Während sich Kyla in ihrer Musik stark auf ihre Wurzeln im britischen Blues stützte – sie wuchs in der Band ihres Vaters, der Brit-Blues-Legende Victor Brox auf – mischte Justina ihrem Funk und Soul eine gehörige Portion an Rhythmen und Melodien ihrer Heimat Nigeria bei und schlug mit ihrer emotionalen Bühnenshow die voll besetzte Piazza Governo in ihren Bann.

Dem Bluesrock-Gitarrist Henrik Freischlader aus Deutschland war es schliesslich vergönnt, den würdigen Schlusspunkt unter die Festival-Ausgabe 2026 zu setzen. Freischlader’s stupende Behandlung der sechs Saiten, welche sich an jene von Roy Buchanan und Gary Moore anlehnt, schaffte es offensichtlich, die eingangs erwähnten Gewitterwolken lange genug zurückzuhalten!

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