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Der Meister mit dem Weissen Hut

Die neu erschienene DVD Wang Dang Doodle von Willie Dixon

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Diese in der Tschechischen Republik erschienene DVD enthält die Aufzeichnungen eines Konzerts von 1984 in einem nicht näher bezeichneten kleinen Klub, vielleicht in Chicago, vielleicht aber auch in Europa. Headliner und Hauptattraktion des Konzerts ist Willie Dixon (1915-1992), der Grandseigneur des Chicago Blues, der Komponist des Nachkriegssounds, der geniale Bassist und Arrangeur, die in den 50er Jahren die Aufnahmen bei Chess produzierte und der Klassiker des Genres schrieb wie My Baby, I'm Ready, Little Red Rooster, Spoonfull, Evil (Is Going On), I Just Want to Make Love to You und Hoochie Coochie Man. Von dem Mann gibt es zwar genügend Tonträger, aber leider viel zu wenige Filmdokumente, deshalb ist diese DVD sehr interessant.

Willie Dixon wurde erst spät in seiner Karriere zum erfolgreichen Headliner, als er 1988 mit dem Album Hidden Charms unter eigenem Namen einen Grammy gewann. Das Schwergewicht des Blues war natürlich bereits zuvor eine unabdingbare Persönlichkeit in der Windy City, wo er in den 1950er Jahren Hits schrieb für alle grossen Chess-Musiker, inklusive The Howlin' Wolf, Little Walter und Muddy Waters. Er entdeckte auch Koko Taylor, der er den Titelsong dieses Albums zur Verfügung stellte: Wang Dang Doodle, was zeitlebens Taylors grösster Hit war.

In den späten 1930er Jahren und den 40er Jahren war er bereits in verschiedenen Formationen als Bassist tätig, unter anderem mit dem Pianisten Leonard «Baby Doo» Caston (1917-1987), der Dixon hier erneut begleitet, und der schon im legendären Big Three Trio an dessen Seite spielte (mit Gitarrist Bernard Dennis, später Ollie Crawford). Auf diesem Konzert sind in der Begleitband The Chicago Blues All-Stars zudem vertreten: John Watkins (g), Arthur «Butch» Dixon (p), Carey Bell (harp) sowie Mike Morrison am E-Bass und Clifton James am Schlagzeug. Dixon selbst spielt auf den ersten beiden Liedern I Just Want to Make Love to You und dem Instrumentalstück Sandy Field auch Kontrabass.

Das Konzert ist an sich ganz in Ordnung, die Band ist verhalten aber exzellent (vor allem Carey Bell empfiehlt sich hier wieder einmal), Dixon bringt eine Eleganz hinzu und sein Gesang ist unvergleichlich natürlich: ein wahrer Grandseigneur. Sein weisser Filzhut, sein rosa Jackett und dazu geschätzte 130 Kilogramm Lebendgewicht werden hier federleicht, wenn er zu Built for Comfort sanft seine Hüften schwingt. An sich ein grosser Genuss und endlich die Möglichkeit, diesen Mann auf der Bühne zu sehen, denn schliesslich waren nicht alle Bluesfans am «American Folk Blues Festival».

Trotzdem ist diese DVD nicht unbedingt zu empfehlen. Die Produzenten haben ein Interview mit Willie Dixon und Baby Doo Caston gemacht, das sie in Ausschnitten zwischen die Songs schneiden. Diese Unsitte kennt man schon, etwa von Buddy Guys Konzertmitschnitt von The Real Deal, und auch hier werden Interviewteile nicht nur zwischen die Songs geschnitten, sie werden sogar in die Songs hinein geschnitten oder zwischen die Ankündigungstexte auf der Bühne und den Song selbst. Auch hier wird der Auftritt zerhackstückt und mit Interviewteilen «angereichert».

Damit wir die Integrität des Auftritts zerstört und dies ist künstlerisch eine Zumutung. Zudem ist das Interview wirklich lieblos gemacht. Der Interviewer konzentriert sich auf die Tatsache, dass Dixons Songs von den Bands der British Invasion wie Rolling Stones, Cream oder Led Zeppelin gecovert wurde, und wie er sich dabei fühle. Dixon, ganz Diplomat des Blues (und cleverer Mann, indem er seine Rechte nicht veräusserte, sondern die Tantiemen an seinen Songs kassierte) hat hier natürlich nichts dagegen, denn mittlerweile hatte sich ja herumgesprochen, dass er der Master Composer des Chicago-Sounds war. Demnach ist das Interview wirklich nicht sehr interessant, zumindest nicht, wenn man sich ein Konzert erhofft. Caston trägt nicht viel zu den Interviews bei, nur hie und da ein Satz.

Dieses Interview ist glücklicherweise irgendwann beendet und die letzten vier Songs, The Seventh Son, Jungle Sons (das eigentlich, d.h. auf der CD Jungle Swing heisst), Peace (das auf dem Album The Original Wang Dang Doodle unter dem Titel If it don't Make Sense, You can't Make Peace aufgeführt ist) und Wang Dang Doodle sind fast ohne weitere Einschränkungen zu hören. Nur nach Jungle Swing gibt es einen letzten Ausschnitt, aber da ist man schon froh, dass die Produzenten der DVD diesen nicht zwischen zwei Soli geschnitten haben.

Alles in allem ist dies eine tolle Aufnahme, weil man einen der unbestrittenen Grossmeister des Blues sehen kann, von dem es sonst wenig bis keine Aufnahmen gibt. Aber es bleibt die Enttäuschung, dass die DVD lieblos gemacht ist und bei einer Gesamtlänge von 60 Minuten sind zehn Minuten Geschwafel einfach zu viel. Die zahlreichen Extras wie Bibliographie, Diskographie und die Geschichte von Chess Records bleiben in Textformat und sind in der Qualität etwa mit Wikipedia-Einträgen zu vergleichen.