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Bücher

Robert Palmer: Deep Blues

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So in etwa wissen wir alle, dass der Blues irgendwo im Süden in den Baumwollfeldern entstanden ist, von den Sklaven, später Landarbeitern während der Arbeit gesungen worden ist, die damit ihr schweres Los besser ertragen konnten.

Aber wie muss man sich das vorstellen? Sind die in Afrika gefangen genommenen oder gekauften Menschen vom Schiff gegangen sind und haben angefangen Blues zu spielen? Schliesslich kamen die ersten Sklaven Anfangs 17. Jahrhundert nach Amerika, der Blues taucht jedoch erst Ende des 19. Jahrhunderts auf.

Robert Palmer, der amerikanische Musikwissenschaftler, Produzent und Journalist, der unter anderem Redakteur beim Rolling Stone Magazin und als Kritiker bei der New York Times arbeitete, verfolgt den Weg des Blues von seinen ländlichen Ursprüngen über die Blueskneipen in Chicago South Side bis zu seiner internationalen Anerkennung und Verbreitung in seinem ausgezeichneten Buch Deep Blues. Das Buch ist in Englisch geschrieben.

Robert Palmer - Deep Blues: A Musical and Cultural History of the Mississippi Delta to Chicago's South Side To The World, 1995, Penguin Books, ISBN-0 14 00.6223 8 (Erstauflage 1981), 310 Seiten, Paperback

In 7 Kapiteln beschreibt Palmer mit eindrücklicher Sorgfalt die Zusammenhänge zwischen gesellschaftlichen Zuständen, persönlichen Biographien, wirtschaftlichen Strukturen und natürlich auch Zufällen, die für die Entwicklung und Verbreitung des Blues geführt haben.

Wer sich ein wenig länger für den Blues interessiert, kennt einige oder viele der Protagonisten des Blues; weiss, welche Orte eine besondere Bedeutung haben und ist informiert über die Entstehung neuer Instrumentierungen und Stilarten. Wie genau das aber alles zusammenhängt und welche Musiker sich unter welchen Umständen getroffen und beeinflusst haben, wird von Palmer detailreich geschildert. Er versteht es, die Zusammenhänge glasklar zu schildern, so dass aus den Puzzleteilen ein Ganzes entsteht. Oft sind die vermeintlich magischen Momente auf dem Weg des Blues auf ganz alltägliche oder pragmatische Ursachen zurück zu führen.

So erfahren wir zum Beispiel, dass die Dockery Farm unter anderem deswegen eine Art Drehscheibe für Musiker wurde, weil Will Dockery zu den wenigen Arbeitgebern gehörte, die nicht versuchten, die Arbeiter um ihre Löhne zu tricksen und sie ausserdem gut behandelte, was sich in der Mund zu Mund Propaganda der schwarzen Arbeiter aus dem Süden natürlich rasch verbreitete. Bill und Anne Patton hatten ihre Farm zwischen Vicksburg und Jackson aufgegeben, um dort zu arbeiten. Somit ergab es sich, dass der ausserordentlich begabte Sohn Charlie Vorbild und Lehrer zahlreicher Musiker wurde, die in erster Linie aus diesen Gründen auf der Dockery Farm im Brot standen. Sie folgten also keineswegs Charly Pattons Ruf, sondern trafen ihn, weil sie einen anständigen Job brauchten. Es sind diese Art von Verknüpfungen, die das Buch lesenswert machen.

In weiteren Kapiteln werden wir mit der Bedeutung Helenas und der King Biscuit Radioshow für die Entwicklung des Blues im Allgemeinen, als auch für einzelne Musiker vertraut gemacht. Auch die Migration nach Chicago wird ausführlich beschrieben.

Das Buch überstreicht einen Zeitraum, der Anfang des vorigen Jahrhunderts beginnt und bis in die siebziger Jahre reicht. Es beginnt mit den Entdeckungen Charles Peabodys und endet mit der Konfrontation des Blues mit dem Rock and Roll und der Verbreitung des Blues auf breiter Front über die USA hinaus, als europäische und amerikanische Musiker erste Kontakte knüpften. Durchgehend wird auch die Bedeutung der diversen Plattenlabels für die Verbreitung des Blues klar herausgeschält.

 

Das Buch liest sich gut, der Stil ist angenehm und unterhaltend, die biographischen Details sind interessant und glaubhaft geschildert, zu keinem Zeitpunkt kommt das Gefühl auf, es handele sich um vage Vermutungen oder geschönte PR Texte. Kapitel für Kapitel vermittelt das Buch Authentizität. Ergänzt wird es durch eine ausführliche Disko- und Bibliographie.

Wer sich auch nur ein wenig für die Geschichte des Blues interessiert, findet mit Deep Blues ein Buch, das ich sehr empfehle. Für alle anderen ist es ein Muss!